Dienstag, 25. August 2009

Hamburg City / Straßengeschäfte

Samy Deluxe hat damals auf dem Song "Füchse" verlauten lassen: "Hamburg City ruled, wer behauptet was anderes?". Was die Stadt Hamburg mit ihren kultigen und weltbekannten Stadtteilen und Vierteln als solche angeht, behaupte ich definitiv nichts anderes. Für mich ist Hamburg sogar mein absoluter Liebling, was deutsche Großstädte angeht. -Was aber die Stadt Hamburg als Rap-City anbelangt, muss ich ganz ehrlich zugeben, dass mein Interesse an ihr genau wie das, am eingangs erwähnten Samy Deluxe seit Jahren eher so gering ist, wie an Quantenphysik.

Unter anderem aus diesem Grund habe ich bei meinem letzten Kurzurlaub in Hamburg am vergangenen Wochenende auch keine besonderen Erwartungen gehabt, was Rap/Hip Hop in der Hansestadt angeht. Um so interessanter war dann das, was ich dort erlebt habe...

Als ich vor ca. genau einem Jahr mein letztes Wochenende in HH verbracht habe, drehte mir ein Typ namens Fayzen beim Einkaufen auf der Mönkebergstraße für 5 € eine CD an, auf der mich wie er meinte "mal was anders, als dieser Aggro-Müll" erwarten würde...Ich erinnere mich daran noch ganz genau; und das nicht weil die CD so hammer war (ganz im Gegnteil, es war zwar wirklich nicht "Aggro", aber dafür trotzdem übelster Mül), sondern weil ich ein paar Monate später in der Backspin über genau diesen Fayzen lesen musste, dass er angeblich mit seinen Jungs von der CD, die er mir angedreht hatte, insgesamt 8.000 Dinger nur auf der Straße vertickt hat! Seit diesem Erlebnis ringe ich immer wieder mit mir, auch einfach CDs unter den Arm zu nehmen und Leute auf den Straßen von umliegendne Großstätten zu penetrieren unsere Alben zu kaufen. Immerhin hats bei diesem Fayzen auch geklappt. -Bisher konnte ich mich aber nicht wirklich dazu überwinden. Kein Plan, warum...

An besagtem letzten WE habe ich mir dann aber doch mal beherzt an die Eier gefasst, meinen Rucksack mit ca. 20 "Hot Shots-The Shoot Out" gefüllt und mich auch auf die Mönkebergstraße begeben, um neben dem eigenen "Shopping" doch auch noch etwas für unser Konto zu tun. Ich war grade in ein Gespräch mit meiner Freundin vertrieft und erst 5 Minuten auf der Mönkeberger unterwegs, als sich plötzlich der Himmel über mir verdunkelte: Ein ca. 2 Meter großer Afrodeutscher im grauen Trainingsanzug versperrte mir den Weg, schaute auf mich hinunter und fragte: "Hey, hörts du Rap?". Ich bejate höflich, worauf er eine CD aus dem Pullover zog und meinte, ob ich nicht mal Lust auf etwas Neues hätte. -Stop! Dajavue! Plötzlich hatte ich wieder das Gesicht von diesem Fayzen vor mir. Der 2 Meter Trainingsanzug vor mir meinte weiter: "Wir verkaufen auch bei Saturn...usw...da gehts aber zu langsam weg...usw...daher auf der Straße. Für 10 € ist die CD deine." Oh Mann, der Typ war sympatisch, aber ich wollte doch selber CDs verkaufen..."Ok," meinte ich "ich mache selber Mucke und habe den Rucksack voller eigener CDs. Wie machen einen Deal: Ich gebe dir einen Fünfer + meine CD und dafür nehme ich dann dein Album." Er: "Mmm, klingt gut. Ok." Gesagt, getan. CDs und Geld wechselten den Besitzer, ein kurzes Händeschütteln und weiter gings.
Erst jetzt warf ich einen genaueren Blick auf die frisch erstandene CD: Young CRhyme nennt sich der Rapper, "Crime City 2.0" heißt das gute Teil, beinhaltete englisch-sprachigen Rap und hat diverse Dipset Eurostreets Features..."Oh Mann, was für ein Tausch: Deutscher Untergrund Rap mit "Fight the hype"-Ansagen gegen englischen Rap aus Hamburg mit Dipset-Vögeln..." dachte ich mir und musste nervös lachen. Spaß für beide Parteien. Egal, weiter gehts.

Ungefähr 20 Minuten später hatte ich dann ein paar Jungs im Visier, von denen ich dachte, sie könnten potenzielle Käufer unserer CDs sein. Doch nicht nur ich hatte die Jungs im Visier, sondern die auch wohl mich! So kamen 2 von ihrem Mob auf mich zu und - richtig! Sie fragten mich, ob ich Rap höre und mal Lust auf was Neues hätte. Ich erklärte den beiden freundlich, dass ich selber zum Verkauf unterwegs wäre, worauf sie aber meinten, ich sollte doch wenigstens mal reinhören. OK, Kopfhörer auf und zumindest mal reinlauschen. -Falsche Entscheidung! Als ich den Kopfhörer abgenommen hatte musste ich mich wirklich zusammenreißen, um die Jungs nicht anzuraunzen, ob sie mich mit diesem wacken shit verarschen wollen. "Ne, ist ganz ok, aber nicht so mein Ding" meinte ich. Die beiden ließen aber nicht locker: "Komm, einen Track musst du dir noch anhören". Nett und höflich wie ein Rowdy nur sein kann, hörte ich mir auch die Soße noch an, um dann mein Kommentar von davor zu wiederholen: "Ne, ist ganz ok, aber nicht so mein Ding". Die beiden Jungs, die höchstens 15 Jahre alt waren, sahen mich traurig an, bedankten sich fürs Zuhören und dackelten weiter.

Dies war der Punkt, an dem ich mich wirklich gefragt habe, ob möglicherweise jeder, der hier auf der Mönkebergerstraße unterwegs ist und nach Hip Hop aussieht, CDs im Rucksack mit sich rumschleppt und Kohle damit machen will. Ich hatte auf jeden Fall keine große Lust, noch so ein Erlebnis, wie das mit den beiden Youngsters zu haben und entschloss daher, das Straßengeschäft für heute ruhen zu lassen.

Fazit dieses Tages ist, dass Hamburg City auf jeden Fall das Straßengeschäft ruled und hier definitv doch mehr geht, als man zuhause über das Internet und die Printmedien mitbekommt. Ob das alles jemals wieder die Qualität erreichen wird, wie zu Eimsbush Zeiten ist nach meinen letzten Hörproben jedoch fraglich...

Appropos Eimsbush: Erinnert sich noch jemand an den DJ Ben Kenobi von Mr. Schnabel? Der lief mir im Footlocker über den Weg. Dass der noch lebt...


Euer Faktorfreund Rich

3 Kommentare:

  1. Strange... Hamburg fehlt also keine Street Credibility :)
    Aber wieso nimmt bitte Young Chryme 10 €? Wucher würde ich sagen...

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  2. Geschichten die das Leben schreiben...
    Netter Schreibstil, du solltest dich auch mal an Groschenromanen versuchen.

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  3. ...da verdient man dann auch mal den ein oder anderen... Groschen.
    Der Groschen ist gefallen...

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